Gemeindecaritas
Glaube im Alltag - Nov. 2005
 
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Glaube im Alltag
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M. Dondelinger-bunt-klein
M. Dondelinger

Glauben im Alltag



Schranken, die nicht fallen dürfen



Zunächst fast beiläufig und doch mit Erschrecken habe ich im September einen Artikel zur Kenntnis genommen, dass eine Schweizer Sterbehilfe-Organisation namens Dignitas in Hannover eine Zweigstelle eröffnet hat. Inzwischen ist wieder eine Diskussion um aktive Sterbehilfe entfacht  und die Stimmen der Befürworter werden immer lauter. Nach einer Forsa-Umfrage sollen sich ca. 75% der Deutschen inzwischen für aktive Sterbehilfe aussprechen. Argumente der Gegner der aktiven Sterbehilfe werden zum Teil forsch als „Argumente von Wolkenschiebern“, die das Thema verdrängen wollten und die Sorgen der betroffenen Menschen nicht ernst nehmen würden, abgetan.



Angesichts der Praxis und der Gesetzgebung in unseren Nachbarländern muss man erkennen, dass wir nicht auf einer Insel leben und es sehr verschiedene Vorstellungen von menschlicher Würde gibt. Die Befürworter von aktiver Sterbehilfe sprechen von menschenwürdigem Sterben und dem Recht, das Leiden und das Leben selbstbestimmt und kontrolliert beenden zu können. Ich muss gestehen, diese Formulierungen machen mir Angst. Sie machen mir deshalb Angst, weil sie teilweise in sich scheinbar schlüssig sind und so harmlos und verlockend klingen. Sie werden zudem von Menschen aufgegriffen, die für anstehende Probleme pragmatische Lösungen suchen.

In Würde leben und in Würde sterben, bedeutet aus meiner Sicht, den Weg für Menschen so gut es geht zu ebnen. Entscheidend ist eine gute Versorgung bei der Behandlung von unheilbarer Erkrankung und eine gute Sterbebegleitung. Entscheidend ist auch die Erkenntnis und die Einstellung, dass wir Leid und Schmerz nicht abschaffen und planen können, sondern dass wir den Menschen in diesen Situationen beistehen sollen.

Unvollkommenheiten müssen zugelassen werden. Hier liegt die große Herausforderung und hier sollten wir mehr investieren. Auch auf dem Hintergrund unseres christlichen Glaubens sollten wir unsere Stimme viel lauter erheben. Irgendwann kann es zu spät sein.





Monika Dondelinger

Dipl. Sozialarbeiterin

Caritasverband Bitburg

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